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Wickelheu beim Pferd: Was wirklich hinter dem Begriff steckt

HKHella Karl
5 Min. Lesezeit

Viele Pferdebesitzer sprechen von „Wickelheu“. Doch was bedeutet dieser Begriff wirklich? Der Artikel erklärt den Unterschied zwischen Heu, Heulage und trocken gewickeltem Raufutter – und warum das besonders für Pferde mit empfindlichen Atemwegen wichtig sein kann.


🌾 Wickelheu beim Pferd

Viele Pferdebesitzer kennen diese Situation aus dem Stall:

Das Raufutter ist gewickelt. Eigentlich soll es Heulage sein.

Doch beim Füttern fällt etwas auf.

Das Futter wirkt ungewöhnlich trocken. Manche Halme brechen leicht auseinander. Manchmal entsteht sogar ein feiner Staub, wenn das Futter auseinandergezogen wird.

Im Stall fällt dann schnell ein Begriff:

„Das ist Wickelheu.“

Der Begriff klingt vertraut und wird in vielen Pferdeställen verwendet. Doch wenn man genauer hinschaut, stellt sich eine wichtige Frage:

Was bedeutet Wickelheu eigentlich wirklich?

Handelt es sich dabei um eine eigene Futterart zwischen Heu und Heulage? Oder beschreibt der Begriff lediglich eine Beobachtung aus der Praxis?

Tatsächlich ist „Wickelheu“ kein offiziell definierter Futtermitteltyp. Der Begriff stammt aus dem Stallalltag und wird meist verwendet, wenn gewickeltes Raufutter ungewöhnlich trocken wirkt.

Gerade für Pferde mit empfindlichen Atemwegen lohnt es sich deshalb, genauer hinzusehen.


📚 Was bedeutet „Wickelheu“ wirklich?

Der Begriff Wickelheu taucht in der wissenschaftlichen Einteilung von Graskonserven nicht als eigenständiger Futtermitteltyp auf.

In der Praxis wird damit meist Folgendes beschrieben:

➡️ Gewickeltes Raufutter, das trockener wirkt als klassische Heulage

Typische Beobachtungen sind zum Beispiel:

  • die Struktur wirkt eher heuartig
  • das Futter riecht wenig fermentiert
  • Halme bröseln leichter
  • beim Füttern entsteht feines Pflanzenmaterial

Der Begriff ist also ein Praxisbegriff aus dem Stallalltag – kein klar definierter Futtermitteltyp.


🌱 Unterschied zwischen Heu und Heulage

Um den Begriff Wickelheu besser einordnen zu können, hilft ein Blick auf die beiden klassischen Formen der Raufutterkonservierung.

🌾 Heu

Heu wird über Trocknung konserviert.

Nach dem Mähen trocknet das Gras mehrere Tage auf der Fläche. Der Wassergehalt sinkt stark ab.

Typische Trockenmasse

  • ca. 85–90 %

Die Haltbarkeit entsteht durch Wasserentzug.


🌿 Heulage

Heulage entsteht über ein anderes Prinzip.

Das Gras wird zunächst angewelkt und anschließend luftdicht in Folie gewickelt.

Im Ballen findet eine Milchsäuregärung statt, die das Futter stabilisiert.

Typische Trockenmasse

  • ca. 40–60 %

☀️ Warum gewickeltes Raufutter manchmal sehr trocken wirkt

Die Feuchtigkeit von Heulage hängt stark von den Erntebedingungen ab.

Bei sehr trockenem Wetter kann Gras auf der Fläche schnell stark anwelken.

Wenn dieses Gras anschließend gewickelt wird, entsteht ein Futter, das:

  • strukturreicher wirkt
  • weniger elastisch ist
  • optisch eher an Heu erinnert

Genau in solchen Situationen taucht im Stall häufig der Begriff Wickelheu auf.


🌬️ Raufutter und Atemwege beim Pferd

Bei Pferden mit empfindlichen Atemwegen spielt die Staubbelastung eine wichtige Rolle.

Feines Pflanzenmaterial, Schimmelbestandteile oder Staubpartikel können die Atemwege zusätzlich reizen.

Besonders relevant ist das bei Erkrankungen wie Equinem Asthma.

In meiner Arbeit mit atemwegserkrankten Pferden sehe ich immer wieder, wie stark Faktoren wie

  • Raufutterqualität
  • Staubbelastung
  • Stallklima

die Stabilität der Atemwege beeinflussen können.

Ein Raufutter, das beim Füttern sichtbar staubt oder stark bröselt, sollte deshalb immer genauer angeschaut werden.


🔎 Woran erkennt man gute Heulage?

Die Qualität von Heulage lässt sich über mehrere Punkte einschätzen.

Typische Merkmale guter Heulage

✔ leicht feuchte, elastische Struktur ✔ angenehmer, mild säuerlicher Geruch ✔ stabile Ballen ohne beschädigte Folie ✔ keine sichtbare Schimmelbildung

Hinweise, die genauer geprüft werden sollten

⚠️ sehr trockene, bröselige Struktur ⚠️ Staubentwicklung beim Füttern ⚠️ beschädigte Folie oder Luftzutritt


🐎 Eine typische Situation aus meiner Praxis

Der Begriff Wickelheu taucht im Stall häufig genau dann auf, wenn bereits etwas auffällt.

Zum Beispiel:

  • ein Pferd beginnt zu husten
  • die Atemarbeit verändert sich
  • das Futter wirkt plötzlich anders als gewohnt

Dann wird schnell gefragt:

„Liegt es vielleicht am Wickelheu?“

In meiner Arbeit mit atemwegserkrankten Pferden sehe ich immer wieder, dass genau solche Beobachtungen der Ausgangspunkt für wichtige Veränderungen im Stallmanagement sein können.

Denn häufig lohnt es sich, genauer hinzuschauen:

  • Hat sich das Raufutter kürzlich verändert?
  • Wie trocken ist es wirklich?
  • Wie wurde es gelagert?
  • Wie reagiert das Pferd darauf?

Solche Fragen führen oft zu deutlich mehr Klarheit als die Diskussion über den Begriff selbst.


📌 Merkkasten

Nicht der Name entscheidet über die Qualität des Futters – sondern:

  • Trockenmasse
  • Geruch
  • Staubentwicklung
  • hygienischer Zustand
  • Lagerung
  • Reaktion des Pferdes

❓ Häufige Fragen zu Wickelheu

Ist Wickelheu eine eigene Futterart?

Nein. Der Begriff wird im Stallalltag meist für trocken wirkendes gewickeltes Raufutter verwendet.

Ist trocken gewickeltes Raufutter automatisch schlecht?

Nein. Entscheidend sind Qualität, Lagerung, Staubentwicklung und Verträglichkeit für das einzelne Pferd.

Ist Heulage für Atemwegspferde grundsätzlich besser als Heu?

Sie kann die Staubbelastung reduzieren – entscheidend ist jedoch immer die tatsächliche Qualität des Futters.


Fazit 🧠🌬️

Der Begriff Wickelheu beschreibt meist gewickeltes Raufutter, das ungewöhnlich trocken wirkt.

Er ist ein verständlicher Praxisbegriff, aber keine klare fachliche Kategorie.

Für Pferdebesitzer ist deshalb nicht entscheidend, wie das Futter genannt wird, sondern:

  • wie trocken es wirklich ist
  • wie es riecht
  • wie es gelagert wurde
  • wie das Pferd darauf reagiert

Gerade bei empfindlichen Atemwegen lohnt sich ein genauer Blick auf das tägliche Raufuttermanagement.


📬 Wenn dich solche Themen interessieren

Viele Fragen rund um Atemwegsgesundheit beginnen nicht bei Medikamenten, sondern beim Stallmanagement.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Raufutterqualität
  • Staubbelastung im Stall
  • Lagerung von Heu oder Heulage
  • Bewegungsmanagement

In diesem Blog schreibe ich regelmäßig über genau diese Themen.

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HK

Über Hella Karl

Expertin für Pferdegesundheit mit langjähriger Erfahrung in der Betreuung von Pferden mit Atemwegsproblemen. Teilt ihr Wissen, um Pferdebesitzern zu helfen, ihre Tiere optimal zu versorgen.

Atemwegs-Spezialistin15+ Jahre Erfahrung150+ behandelte Pferde