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Cover Bild für Post: Lungensport fürs Hustenpferd: Übungen an der Hand und im Sattel, die die Lunge durchlüften (ohne sie zu reizen)

Lungensport fürs Hustenpferd: Übungen an der Hand und im Sattel, die die Lunge durchlüften (ohne sie zu reizen)

HKHella Karl
5 Min. Lesezeit

Gezielte, ruhige Bewegung kann Hustenpferden helfen, Sekret zu mobilisieren und die Ventilation zu verbessern – wenn Warm-up, Intensität und Umgebung stimmen. Der Artikel zeigt konkrete Hand- und Sattelübungen plus Stoppsignale.

🫁 Lungensport fürs Hustenpferd

„Welche Übungen kann ich machen, damit die Lunge sauber wird?“ – diese Frage stellen sich viele, wenn ihr Pferd hustet oder ein Verdacht auf equines Asthma (EA) im Raum steht (früher oft unter Begriffen wie RAO/COPD/COB geführt). Wichtig ist: Training reinigt keine Lunge wie ein Filter. Was Bewegung aber sehr wohl leisten kann: Sie kann die Belüftung verbessern, Sekret mobilisieren und den natürlichen Schleimtransport unterstützen – wenn du die Belastung so dosierst, dass sie nicht selbst zum Reiz wird.

Genau hier passieren die typischen Rückschritte: zu früh traben, zu viel Druck, zu wenig Warm-up – und am Ende hustet das Pferd mehr statt weniger. Dieser Artikel zeigt dir praxistaugliche Übungen an der Hand und unter dem Sattel, mit einer klaren Logik für Intensität, Pausen und Warnzeichen.

Was „durchlüften“ bei Husten und equinem Asthma wirklich heißt

Bei chronischem Husten oder EA ist trainingsseitig selten „mehr Sport“ die Lösung, sondern bessere Atemökonomie:

  • gleichmäßige Ventilation statt Atem-Spitzen
  • Brustkorbbewegung + Rumpfschwingen statt Festigkeit
  • Sekretmobilisation über moderates Atemminutenvolumen über Zeit (Minuten), nicht über Tempo
  • und: Training funktioniert nur, wenn die Triggerlast parallel niedrig ist (Staub/Schimmel/Pollen/Reizgase)

Wenn dein Pferd bereits in Ruhe deutlich Atemarbeit zeigt (Pumpen/Bauchpresse, deutlich geweitete Nüstern, angestrengtes Ausatmen), dann ist Training nicht der erste Hebel. Dann braucht es zuerst Stabilisierung und Diagnostik.

Drei Regeln, die dir Rückschritte ersparen

1) Aerob statt „einmal richtig“

„Er muss sich einmal freihusten“ klingt logisch, ist aber oft der falsche Reflex. Viele Pferde reagieren auf Überforderung mit hektischer, flacher Atmung – das ist Reizung, nicht Lösung. Was in der Praxis häufiger funktioniert: ruhig, gleichmäßig, länger.

2) Lange Anlaufphase – nicht verhandelbar

Gerade im Winter (kalte/trockene Luft) oder bei empfindlichen Pferden gilt: 15–20 Minuten aktiver Schritt, bevor du „arbeitest“. Das ist kein Luxus, sondern Atemwegsmanagement.

3) Große Linien, klarer Rhythmus

Dein Ziel ist Ventilation – nicht Kompression. Große Bögen, lange Seiten, wenig enge Wendungen: so kann der Brustkorb frei arbeiten, ohne dass du Stressspitzen erzeugst.

Übungen an der Hand (20–40 Minuten)

1) Marsch-Schritt auf Geraden (10–15 Minuten)

Zügig, taktsicher, gleichmäßig. Ideal draußen auf staubarmem Boden.

Woran du merkst, dass es passt: Das Pferd wird mental ruhig, der Schritt wird länger, die Atmung bleibt gleichmäßig.

2) Schritt-Bergauf-Intervalle (8–15 Minuten)

Leichte Steigung: 1–2 Minuten bergauf, bergab locker. 4–8 Wiederholungen.

Das ist einer der saubersten „Lungenreize“, weil du Ventilation steigerst, ohne Tempo zu erzwingen.

3) Übergänge im Schritt: Halt – Schritt (6–10 Minuten)

10–20 Wiederholungen. Weich anhalten, weich wieder angehen. Kein Abriss, kein „Abwürgen“.

4) Rückwärtsrichten dosiert (2–4 Sets)

Je 6–10 ruhige Tritte rückwärts, danach 1 Minute Schritt. Nur, wenn das Pferd dabei locker bleibt. Wird es fest: weglassen.

5) Stangen im Schritt (3–6 Minuten)

4–6 Stangen, 3–6 Durchgänge. Das fördert Brustkorb- und Rumpfbewegung ohne Atemstress.

Übungen im Sattel (30–60 Minuten)

A) Warm-up, das wirklich durchlüftet (15–20 Minuten)

  • 10–15 Minuten freier Schritt (gern draußen)
  • 3–5 Minuten sehr ruhiger Trab (leichttraben)
  • 2 Minuten Schritt
  • nochmal 3–5 Minuten Trab

Wenn das Pferd hier hektisch wird oder sich „zu“ anfühlt: nicht „drüberreiten“. Tempo rausnehmen, länger Schritt arbeiten.

B) Intervall-Trab als „Lungenfenster“ (12–25 Minuten)

Wähle eine Variante:

  • 3×3: 3 Minuten Trab – 2 Minuten Schritt (3 Wiederholungen)
  • 2×6: 6 Minuten ruhiger Trab – 3 Minuten Schritt (2 Wiederholungen)

Ziel: Atmung wird gleichmäßiger und ruhiger, nicht schneller. Viele EA-Pferde profitieren mehr von „mehr Minuten“ als von „mehr Gang“.

C) Gymnastik ohne Atemstress (8–15 Minuten)

  • große Schlangenlinien
  • weite Bögen
  • Übergänge Schritt–Trab–Schritt (häufig, weich)
  • Schenkelweichen auf langen Linien

Du willst Rumpfaktivität, ohne Taktverlust, ohne „dicht werden“.

D) Galopp nur, wenn stabil – und dann kurz

Bei vielen Pferden kippt Galopp schnell in hohe Atemfrequenz. Wenn überhaupt: 2×30–60 Sekunden, danach lange Schrittphase. Kein „noch eine Runde“.

Stoppsignale: Woran du sofort runterregeln solltest

  • Husten zieht sich durch die Arbeit (nicht nur 1–2 Lösehuster am Anfang)
  • sichtbare Atemarbeit (Pumpen/Bauchpresse, stark geweitete Nüstern)
  • Erholung dauert auffällig lang
  • Leistung bricht ein oder das Pferd wirkt „drüber“

Dann ist das kein „Trainingsmangel“, sondern ein Hinweis auf Belastbarkeit/Trigger/Entzündung. In EA-Fällen ist Umweltmanagement nicht „nice to have“, sondern Kerntherapie: Staubreduktion und Allergenlast entscheiden, ob die Atemwege überhaupt zur Ruhe kommen.

Häufige Fehler (und warum sie so teuer sind)

  • Fehler 1: Zu früh traben. Kalt/empfindlich + plötzlicher Luftumsatz = Reiz. Gerade bei Pferden, die im Winter oder bei trockener Luft zu Husten neigen, entscheidet ein langes Warm-up oft über „läuft“ oder „kippt“.
  • Fehler 2: Intensität statt Dauer. Viele Pferde profitieren mehr von 40 Minuten sauberer Aerobarbeit als von 15 Minuten „sportlich“. Was die Lunge braucht, ist gleichmäßige Ventilation – nicht Spitzen.
  • Fehler 3: Training im Staub. Wenn der Reitplatz trocken ist oder die Halle staubt, wird Training schnell zum Trigger statt zur Unterstützung. Bei empfindlichen Atemwegen ist Staubreduktion kein Detail, sondern die Basis dafür, dass Bewegung überhaupt helfen kann.

Wenn du dir aus diesem Artikel nur eine Sache mitnimmst: Nicht mehr Tempo macht die Lunge frei – sondern gleichmäßiger Rhythmus, lange Anlaufphase und eine Umgebung, die die Atemwege nicht permanent wieder anfeuert.

HK

Über Hella Karl

Expertin für Pferdegesundheit mit langjähriger Erfahrung in der Betreuung von Pferden mit Atemwegsproblemen. Teilt ihr Wissen, um Pferdebesitzern zu helfen, ihre Tiere optimal zu versorgen.

Atemwegs-Spezialistin15+ Jahre Erfahrung150+ behandelte Pferde